Resonanz und Konstanz

Norbert Becker

Resonanz und Konstanz

Resonanz und Konstanz 1200 1220 P. Norbert Becker

Manchmal feiern wir … so heißt es in einem mittlerweile schon in die Jahre gekommenen Lied.
Ja, manchmal. Und dieses ‚manchmal‘ kann es in sich haben:
ich vergesse es nicht mehr, weil es anders und reicher und bedeutender ist als alles, was ich in diesem Zusammenhang schon einmal erfahren habe, weil es mich berührt, mich durchdrungen, es mich ergriffen hat.
Mit diesem schlichten ‚es‘ komme ich nun dem Geheimnis von Resonanz auf die Spur…
‚es‘ ist nicht zu bestimmen, zu kalkulieren, zu machen, zu dingen und zu zwingen.
‚es‘ ist ein Geschenk, eine Gabe, ein Erlebnis zwischen glücklichem Zufall und ersehntem Glück.
‚es‘ ist wie es ist, und ich kann ‚es‘ spüren, fühlen, genießen, dankbar annehmen und auskosten.

Meine Leistung steckt in der Bereitung, der Haltung, die ich einnehme und die mich irgendwie offen sein lässt für ‚es‘:
– wenn meine Wahrnehmung und mein Hören sich in ein absichtsloses Lauschen wandelt und ich den wehenden Anrufen und Mitteilungen der Schöpfung und der Welt mein Ohr schenke,
– wenn meine Sinne sich weiten und meine Nahrung ihren Geschmack entfalten kann auf der Zunge, weil ich mir endlich mal Zeit lasse beim Kauen,
– wenn ich ohne Berechnung und ‚Wollen‘ einem anderen Menschen begegne und mir diese Offenheit hilft, ihn in seiner / ihrer Wirklichkeit anzunehmen und zu schätzen.
(übrigens: Wer vorher schon alles weiß von anderen, ist auf dem Holzweg und ihm/ihr wird der Reichtum der Menschen erst mal verschlossen bleiben.)
ja, wenn …
Im Volksmund gibt es die Formulierung „wenn das Wörtchen wenn nicht wär …“.
Diese oft sehr traurige und einschneidende Erfahrung lässt sich auch im Glauben nicht auflösen. Wir haben „es“ zwar zu großen Teilen in der Hand, können uns sorgen und kümmern,
und doch kann „es“ von niemandem garantiert oder sicher eingelöst werden.
Diese Spannung wird immer bestehen bleiben.

Und doch:
Was ich immer wieder erlebt habe und erlebe in der Welt des Glaubens – (im Erahnen von Gott), in der Musik (in Phasen der Rührung und der Ergriffenheit), in Begegnungen (in überraschenden Erkenntnissen und wohltuenden Eindrücken) oder im Genießen guter Küche – , spiegeln die Gedanken rund um Resonanz und Unverfügbarkeit, wie sie uns Hartmut Rosa in seinen Überlegungen „vor kaut“, in eindrücklicher Weise. Gerade für uns als Christen bietet sich damit eine wunderbare Zugehensweise auf das Geheimnis Gottes.

Ja, die Achtung einer Unverfügbarkeit mit Blick auf Gott könnte ein Schlüssel sein, von allen möglichen religiös motivierten alten Zöpfen und machbarkeitsorientierten Einstellungen und Maskeraden Abschied zu nehmen, die doch oft das Wesentliche mehr vermauern als würdigen.
Wer sich der Unverfügbarkeit des Lebens und aller Lebensvollzüge bewusst ist, wird davon ablassen, Gott in irgendeiner Weise steuern oder bewegen zu wollen.
Die Liebe Gottes ist ein Geschenk und niemand kann sie verwalten, einschränken oder gar berechnen. Theologie nennt so etwas dann Gnade und ruft zur Dankbarkeit.

In mir schwingt ein Traum: Wir kommen durch Resonanz zu immer mehr Konsonanz.
… und dies gelingt bereits in solchem Austausch hier.

Norbert M. Becker,
Herz-Jesu-Missionar,
Liedermacher
Oase Steinerskirchen
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