Ach, wie gut…

Martin Knöferl

Ach, wie gut…

Ach, wie gut… 1214 1180 resonanz jetzt

„Ach wie gut, das niemand weiß,
dass ich Rumpelstilzchen heiß!“
,
freut sich das mächtige, kleine Wesen und tanzt um das Feuer.

„Heißt Du etwa Rumpelstilzchen?!!“

Erst als die Königin den Namen nennen kann, ist seine Macht gebrochen.

Etwas beim Namen nennen können, ist sehr bedeutsam für uns Menschen. Da gibt es eine lange, bohrende Unsicherheit, die sich in Angst auswächst, wenn Menschen krank sind und sie und gar der Arzt nicht wissen, was ihnen fehlt. Eine klare Diagnose, auch wenn es eine bedrohliche ist, löst etwas in einem Menschen, man kann sich damit auseinandersetzen, tun, was zu tun ist und lassen, was zu lassen ist. Wenn wir uns von etwas einen „Begriff“ machen können, „begreifen‘“ wir es im übertragenen Sinn, wir können uns darüber miteinander verständigen und werden handlungsfähig.

Hartmut Rosa beschreibt eine Wirklichkeit, die ich erlebe und benennt sie mit einer klaren Begrifflichkeit. Diese hilft mir und anderen eine Erfahrung so zur Sprache zu bringen, dass ich mich mit ihnen verständigen kann. Ich freue mich über diese Begrifflichkeit, die er entwickelt hat, er der Soziologe wählt eine Sprache, die mich als Gläubigen erinnert und orientiert.

Angerufen sein. Ich bin angesprochen, etwas oder jemand spricht mich an, ich bin berührt. Das scheint mir die Voraussetzung und der Ausgangspunkt für all das zu sein, was in mir und aus mir heraus wirksam werden kann.

Selbstwirksamkeit erleben. Das was mich anspricht, berührt mich, bringt mich mit meinen Gaben in Kontakt, diese Emotion „ emovere – herausdrängen, bringt mich in Bewegung, ich bringe mich ein.

Anverwandlung geschieht. Das was mich anruft, was mich bewegt, beeinflusst mich, verändert mich, unsere Beziehung verändert sich, es entsteht etwas Ungedachtes, Ungeplantes. Ein erstaunliches, wunderbares Geschehen, das ich immer wieder erleben darf.

Unverfügbarkeit. Dieses Geschehen ist nicht geplant herzustellen, nicht zu machen, es funktioniert nicht. Mir wird deutlich, dass es dazu nicht ohne mich und meine Bereitschaft kommt, dass meine Möglichkeiten, meine Talente wesentlich zum Gelingen beitragen und mir wird eben auch deutlich, dass es erst mit dem Angerufen sein, mit der Bereitschaft und den Möglichkeiten meines Gegenübers Wirklichkeit werden kann. Und selbst wenn beide wollen ist dieses Geschehen nicht verfügbar zu machen. Eine Liebe, eine Sympathie, Freude …. ist auch beim besten Willen nicht herzustellen. So erlebe ich dieses Geschehen als Glück. Freude kommt in mir auf, Dankbarkeit… und Demut, ein Wort das leider oft missverstanden wird.

Nur weil es Unverfügbares gibt, wird Wunderbares möglich.
Ein Skandal für all diejenigen, die alles planen, in den Griff bekommen wollen, die alles verfügbar, beherrschbar und nutzbar machen wollen. Selbst wenn das in manchen Bereichen des Lebens funktioniert, so bedingt das eine zunehmende Beschleunigung des Lebens mit der eine Entfremdung von sich, von einander und von der Welt einhergeht. Die Welt als Aggressionspunkt, so nennt Hartmut Rosa diese Einstellung.

Die Welt als Resonanzpunkt verstehen.
Achtsam sein, wahrnehmen, mich anrufen lassen, mir meiner Selbstwirksamkeit bewusst werden, im Gelingen froh und dankbar sein, mir der Unverfügbarkeit des Lebens gewahr werden. Das alles buchstabieren mit Begriffen, die menschlich sind, das habe ich begriffen. Und werde mich wohl hüten, alles in den Griff bekommen zu wollen, vielmehr werde ich weiterüben, gelassen(er) zu sein, um dieses wunderbare Geschehen nicht von vorne herein zu verhindern.

Martin Knöferl
Supervisor
Hoffnungszeichenmacher
Forum11
Hörzhausen
kontakt@martin-knoeferl.de

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