Im Scheitern gescheiter werden

Krokuss

Im Scheitern gescheiter werden

Im Scheitern gescheiter werden 515 340 Martin Knöferl

Scheitern –
Mir scheint das derzeit eine bedeutsame Wirklichkeit zu sein. Personen können scheitern, auch Institutionen und Gesellschaften, die Menschheit.

Da ist die Wirklichkeit eine andere als die, die vorgestellt wurde, eine andere als die, an die ich (wir) geglaubt haben, etwas entlarvt sich als Ideologie…
Oder ich habe mir zu viel vorgenommen, ich konnte es nicht erreichen, ich bin hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben, ich habe versagt.

Scheitern das tut weh! Da hat mich jemand enttäuscht, hintergangen, verletzt.
Scheitern, da zerbricht etwas.
Scheitern – das tut weh!
Scheitern, da geht etwas zugrunde.

Was für ein Wort: zugrunde gehen – zum Grund gehen und damit auf Grund kommen.

Wenn ich im Scheitern zu Grunde gehe, komme ich auf dem Boden an, auf dem Boden der Tatsachen, vielleicht bin ich ja vorher etwas abgehoben, ich habe den Boden unter den Füßen verloren, im Scheitern bin ich hart gelandet.

Auf den Grund gehen, einer Sache, mir selbst auf den Grund gehen.
So wie es vorher gegangen ist, ist es nicht mehr weitergegangen.
Wenn es nicht mehr weitergeht, wie es gegangen ist, muss sich etwas ändern.

Krise ist das Wort dafür, das anzeigt, dass sich etwas ändern muss. Dieser Prozess beinhaltet die Chance zu einer Entwicklung, zu einer Reifung und birgt auch die Gefahr, dass etwas verletzt, gar zerstört wird. Die Krise zeigt an, dass es nicht mehr so ist, wie es war und noch nicht so, wie es sein wird, ein Übergang.

Übergänge sind oft unangenehm – nicht mehr, noch nicht, das ist durchaus verunsichernd. Wo die falsche Sicherheit wegbricht, da bekommt das Trauen, das Vertrauen große Bedeutung.

Übrigens ist unser menschliches Gehen ein Übergang von einem Standpunkt zum andern, der immer über Unsicherheit führt, eine kleine Sequenz von nicht mehr und noch nicht. Du kannst das mal nachexperimentieren, wenn Du in Superzeitlupe gehst.

Unser Gehen ist so ein Ausdruck dessen, dass wir unseren Standpunkt verlassen müssen, wenn wir uns entwickeln wollen. So ist jeder Schritt eine Krise. Im schnellen Gehen überspielen, überspringen wir die Verunsicherung.

Hartmut Rosa behauptet, dass sich unsere Gesellschaft in der Beschleunigung stabilisiert.

Wie bekomme ich in Zeiten der Krise Halt und Orientierung?! Halt bekomme ich auf dem Boden, wenn ich Grund unter meinen Füßen habe. Ich gründe, begründe mich neu. Wenn ich so neuen Stand gefunden habe, ergibt sich eine neue Einstellung, eine Haltung und ich kann mich „orientieren“ – „mich nach der aufgehenden Sonne ausrichten“ bedeutet das Wort ursprünglich. Ich traue mir, ich traue mich….

Ein Scheit Holz.

Als Hoffnungszeichenmacher arbeite ich oft mit gespaltenem Holz. Ein Stück Stamm, ein Ganzes wird gespalten, mit der Axt, mit einem Keil oder mit einer starken Spaltmaschine.

Das ergibt ein eigenartiges Geräusch, es hat schon etwas Brutales, wenn ein Keil immer mehr in das Holz getrieben wird, Schlag um Schlag, immer tiefer hinein, und dann gibt das Holz nach, es geht auf, teilt sich. Das Innere kommt zum Vorschein, wird sichtbar. Aus einem Stamm entstehen mehrere Scheite, diese Scheite ermöglichen mir ein Mehr für meine künstlerische Arbeit, diese gespaltenen Scheite haben eine je ganz eigene Oberfläche, einen eigenen Charakter, etwas Unverwechselbares.

Ich erinnere mich an mein Scheitern, an immer wieder einmal scheitern, in kleinen und auch in größeren Situationen, immer wurden dadurch andere, in gewisser Weise mehr Möglichkeiten möglich und mein Charakter, der wahrnehmbare Ausdruck meines Inneren wurde und wird immer unverwechselbarer.

Im Scheitern gescheiter werden…

Rettungstaue im Scheitern

Unmittelbar entdeckte ich soeben in meinen Nachrichten den neuen Beitrag „Rettungstaue im Scheitern“ bei „y-nachten“, der wie ein Spiegel unseres Gesprächs ist.“  Günter Grimme

Vielleicht ist der folgende Artikel (der schon oben benannte) manchmal etwas sehr akademisch, aber er enthält eine Menge guter Gedanken!“  Uli Berens

https://y-nachten.de/2022/02/rettungstaue-im-scheitern

Martin Knöferl

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