Eine Ode an die Knotenmadonna

Maria Knotenloeserin

Eine Ode an die Knotenmadonna

Eine Ode an die Knotenmadonna 945 1424 P. Joseph Thundathil

Zwei Mitstudenten kann ich im Zusammenhang mit diesem Lied über Maria, der Knotenlöserin nicht vergessen. Einer hat mich zum ersten Mal in die Kirche Peter am Perlach, wo das Bild der Knotenmadonna steht, geführt. Es war eine Geschichte vor ein paar Jahren an einem Frühlingstag. Der andere hat mich dieses Jahr an einem Frühlingstag motiviert, ein Lied zu komponieren.

Begegnungen mit Menschen verändern unser Leben sehr oft. Manchmal sehr positiv und ein andermal sehr negativ. Vielleicht wäre unser Leben in einer ganz anderen Bahn verlaufen, wenn wir manchen Menschen nicht begegnet wären. Die Bibel beginnt mit Geschichten von Begegnungen. Im Alten und auch im Neuen Testament ist das der Fall. Die Weihnachtsgeschichte in der Bibel beginnt auch mit einer langen Kette an Geschichten der Begegnungen.  Begegnungen die von der Kippe bis zum Kreuz führen. Begegnungen, die zum Heil und zur Hoffnung führen. Manchmal kann dieser Weg der Begegnungen durch den Dornbusch gehen. Aber es führt zum Gipfel der Schönheit der Liebe und Hoffnung. Wenn ich diesen beiden Menschen nicht auf meinem Weg begegnet wäre, wäre wahrscheinlich dieses spezielle Lied nicht entstanden.

Es beginnt mit einem Ruf „Mutter“- oder noch besser ausgedrückt „Mama“. Meist das allererste Wort, das auf den Lippen eines Kindes blüht. Der erste Buchstabe des Wörterbuchs, dass die Beziehung zur Mutter beschreibt – in allen Sprachen der Welt und auch  der erste Buchstabe vom Abc der Beziehungen. Der erste Mensch, der mich umarmt hat, geküsst hat und vor allem beschützt hat.

In den vergangenen Jahren begleitete sehr oft dieser Satz fast jedes Gespräch. „Corona hat einen Strich durch die Rechnung gemacht“. Ganz schwer fiel uns auch der notwendige Abstand und fehlende Nähe. Aus diesem Gefühl heraus entstanden in mir die ersten Zeilen des Liedes über die Knotenlöserin „Mutter nimm mich in den Arm, umarme mich, küsse mich oh meine Mutter, löst du bitte die Knoten meines Lebens.“ Nein es klingt nicht komplett schlüssig in einer anderen Sprache – denn das Lied ist in meiner Muttersprache. So ist es im Leben. Emotionen kann man nicht übersetzten. Es ist wie der Untertitel von Filmen aus fremden Sprachen. Lach…Vogel zwitschert…

Es ist komisch, Geräusche von Meer, Wind und Natur im Untertitel übersetzt zu lesen. Emotionen und Gefühle kann man mit kaum einem Wort genau passend übersetzen, außer mit der Sprache der Liebe. Dort braucht man kaum ein Wort. Ein Seufzen allein sagt viel. Manchmal erzählt ein kleiner Seufzer die Geschichte eines ganzen Lebens.

Der Kehrvers bedeutet: „Mutter mache mich zu einem Sakrament“. Zu Tränen gerührt las ich vor ein paar Tagen die Worte von Papst Franziskus in seiner Botschaft zum Welttag der Armen. „Wenn die Gläubigen Jesus persönlich sehen und ihn mit Händen greifen wollen, dann wissen sie, wohin sie sich wenden müssen, denn die Armen sind das Sakrament Christi, sie repräsentieren seine Person und verweisen auf ihn.“ Ein Sakrament ist das sichtbare Zeichen einer unsichtbaren Wirklichkeit. Es ist die Bitte aus tiefen Herzen, ein sichtbares Zeichen der Liebe Gottes und seiner Barmherzigkeit zu werden, der seinen einzigen Sohn hingab aus dieser großen Liebe zu uns Menschen.

Über jede Zeile des Liedes habe ich sehr viel zu erzählen und auch, warum ich es so geschrieben habe. Hinter manchem Wort steht eine lange persönliche Geschichte. Ein Teil des Liedes ist die Betrachtung des Bildes und der letzte Abschnitt ist die Zusammenfassung der Theologie des Bildes. Die Betrachtung des Bildes entstand, als ich im Wartezimmer einer Arztpraxis saß. Um mir die Zeit zu vertreiben und mich von den Sorgen abzulenken, sammelte ich durch das Rosenkranzgebet meine zerstreuten Gedanken. Plötzlich dachte ich, dass diese Kette mit Perlen ein Symbolbild des Lebens ist. Perlen sind wie Tränen und Knoten gibt es mehr als genug.

Dafür hat mich die Bildbetrachtung der Knotenmadonna von unserem Bischof Bertram inspiriert. In einer Predigt erzählte Bischof Bertram:  „Wer zur Knotenlöserin aufblickte, sollte die Knoten seines eigenen Lebens anschauen und den Mut aufbringen, die der Muttergottes in die Hand zu geben. Auch in unserem Lebensband gibt es manche Knoten: Knotenpunkte wichtiger Entscheidungen, Knoten in unseren Beziehungsnetzen, Verknotungen durch Krankheiten, Krisen und Verkrampfungen. Schauen wir unsere Knoten an und reichen wir sie an Maria Knotenlöserin weiter. Maria, vom Knoten, der Knoten bin ich!“

In den letzten vier Zeilen ist die Theologie dieses Bildes kurz und bündig zusammengefasst. Durch die Sünde der ersten Eva hat die Menschheit das Paradies verloren und durch die Tugend der zweiten Eva, der Mutter Gottes hat die Menschheit das Paradies wieder bekommen. Liebe Mutter, wenn du mitkommst haben wir keine Angst. Wo du bist, ist der ganze Himmel gegenwärtig.  Was brauchen wir dann noch, um die Erde in das Paradies zu verwandeln. Wenn die Mutter Gottes da ist, ist diese Erde ein Stück Himmel. Unser Leben ist ein Pilgerreise. Auf dem Bild ist dieses Symbol zu sehen.

Als ich diese Zeilen geschrieben habe, war mir wichtig, den Zuhörern auch eine Idee vom Gefühl zu vermitteln von der Liebe, der Nähe und der Fürsorge Gottes, die ich durch die Mutter Gottes, ganz besonders durch die Knotenlöserin, selbst erfahren habe.

Mir war es wichtig, dass sie einen Ort haben, an dem sie ihre Sorgen und Ängste aussprechen und abgeben können. Dieses Lied ist ein Gebet von einem Kind, das erwachsen geworden ist und mit seinen Problemen nicht alleine fertig wird und deshalb vor seiner himmlischen Mutter steht.

Pater Joseph Thundathil VC
Schwabmünchen

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