Advent

Advent

Advent 605 474 Martin Knöferl

„Erinnern Sie sich noch an den ersten Schneefall in einem Spätherbst oder Winter Ihrer Kindheit?
Es war wie der Einbruch einer anderen Realität.
Etwas Scheues, Seltenes, das uns besuchen kommt, das sich herabsenkt und die Welt um uns herum verwandelt, ohne unser Zutun, als unerwartetes Geschenk.
Der Schneefall ist geradezu die Reinform einer Manifestation des Unverfügbaren.
Wir können ihn nicht herstellen, erzwingen… Und mehr noch: Wir können des Schnees nicht habhaft werden, ihn uns aneignen:
Wenn wir ihn in die Hand nehmen, zerrinnt er uns zwischen den Fingern…..
Vielleicht sehnen sich eben deshalb so viele Menschen nach ihm, vor allem an Weihnachten.“

(Einleitung Unverfügbarkeit von Hartmut Rosa, Residenz Verlag, 2020)

 

Was ist es, an was erinnert uns Weihnachten, welche Sehnsucht lässt sich in aller Machbarkeit nicht stillen?
Unverfügbarkeit meint ja nicht, dass wir an einer Verlosung teilnehmen und nur darauf warten können, ob wir Glück haben oder eben nicht.

Der Advent beschreibt eine Haltung der Aufmerksamkeit, des aufmerksamen Wartens, das den Kairos nicht übersieht, eine Haltung, die uns bewusst macht, was wir einbringen und beitragen können und was uns eben zukommt, geschenkt ist, so dass wir mit Freude und Dankbarkeit in Berührung sind.

Christen glauben, dass sich Gott ihnen in einem kleinen Kind zuwendet, dass er in einem kleinen Kind Mensch wird. Eltern und Großeltern wissen und all können erahnen, wie so ein Kind das Leben, die Welt verändert.

Advent, eine Zeit, die uns erinnert Mensch zu werden, Mensch zu sein.

Als Benediktinerzögling kenne ich das Wort „Die Türen der Klausur (privater Lebensbereich der Mönche) sind nicht von außen, sondern von innen verschlossen!“
Vielleicht ist das eine Anregung, die Zeit des Advents, nicht als „Lock down“ sondern als Klausur wahrzunehmen, mir bewusst Zeit für meine Seele zu nehmen, mich zu wirklich zu besinnen.

Manche meinen ja, der „Sinn“ sei zu denken.
Sinn hat mit den Sinnen zu tun, hören, sehen, riechen, schmecken, fühlen.
So beginnt wirkliche Besinnung mit der Wahrnehmung. Wenn ich etwas wirklich wahrnehme, kann ich es anders wahrnehmen (im Tun und im Lassen).

Hartmut Rosa ist eine sehr bedeutsame Wahrnehmung unser Lebenswirklichkeit gelungen.
Darin fühle ich mich durch die Resonanzen, die auf der Homepage eingehen, von Woche zu Woche mehr bestärkt.
Ich höre immer wieder von Menschen, die sich schwer tun mit der Sprache des Buches, das kann ich gut verstehen, mir hat es auch einiges (eigentlich ziemlich viel) abverlangt.

So möchte ich allen, denen es gar nicht so leicht fällt, das Buch zu lesen, die Möglichkeit anbieten, sich im Kontakt mit mir und anderen zu vergewissern.

Wer Interesse hat, kann sich gern bei mir melden, wir finden dann eine entsprechende Form, sei es ein Gespräch am Telefon, im Abstand, eine Videokonferenz ….oder .
Vielleicht wird ja dieser Advent eine wirkliche Zeit der Besinnung, so dass wir dann Weihnachten als Fest der Menschwerdung feiern können.

Martin Knöferl

Vier Kerzen leuchten im Advent von P. Norbert Becker

 Den Liedtext gibt es ⇒ hier.

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